Hans Martins Bastelseiten

Wege ins Chaos, und wieder heraus !
- mit Röhren (aber nicht nur)

letzte Änderung: 26.1.2026

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Inhalt:

7.2.16: Ordnung und Chaos - Die Grundschaltung mit EF 89
10.9.16: Wir bestimmen die Feigenbaum-Konstante
13.11.16: Eine numerische Simulation unseres Oszillators
18.9.19: Weitere Schaltungen - Chaotischer Oszillator mit Batterieröhre DF 67
26.1.20: Mit dem Transistor klappt es auch
7.4.21: PC 900: wie eine steile TV-Triode Chaos macht

Ordnung und Chaos...

...liegen in der Natur näher beiei­nander als man denkt. Das zeigt sich an dem einfachen Röhren-Oszil­lator rechts im Bild. Statt der einfachen Sinus­schwin­gung erzeugt er nach einer Reihe von Perioden­verviel­fachung immer komp­lexere Schwingungs­formen. Und schließ­lich wird die Schwingung chaotisch und völlig unvorher­sagbar.

Die Schaltung

zeigt einen einfachen Tongene­rator, der nach dem Meißner-Prinzip funktio­niert. Wesent­liche Bestand­teile sind eine Verstär­kerpen­tode vom Typ EF89 und der Trans­formator bezie­hungs­weise Tonfre­quenz­über­trager. Seine beiden Wick­lungen haben ein Überset­zungs­verhält­nis von etwa 1 zu 2,4. Die Induk­tivität L1 der Wick­lung im Gitter­strom­kreis ist gemein­sam mit den beiden in Serie geschal­teten Konden­satoren C1 und C2 für die Frequenz verant­wort­lich. Außerdem bilden sie einen Span­nungs­teiler, der die recht hohe Ampli­tude der Wechsel­spannung an L1, bis zu 100 Volt, auf 10 Volt für das Röhren­gitter herunter­setzt.

Die Schaltung ist auch mit anderen gängigen Radio­pento­den leicht nachzu­bauen. Ich habe den Trans­formator aus einem alten Kosmos XG Elek­tronik-Experi­mentier­bau­kasten verwendet. Aber natür­lich eignen sich auch andere Tonfre­quenz-Über­trager. Weiter unten sind dafür noch weitere Bei­spiele gezeigt.


Bericht und Video zum Experiment

Icon Attraktor Zum Video

Der Schalt­plan des Röhren­oszil­lators. Laden Sie den detail­lierten Bericht herun­ter. Hier zeige ich, wie man den Oszil­lator mit Hilfe der Kirch­hoff­schen Regeln, Knoten- und Maschen­regel, verstehen kann. Das Video zeigt das Experi­ment dazu.

Icon Spektrum

Im zweiten Teil des Berichts lesen Sie, wie es im Oszil­lator zur Perio­denver­dopplung kommt, weshalb sie ab einem gewissen Punkt plötz­lich und nur unter bestim­mten Bedin­gungen eintritt.

Periodenverdopplung

Hier ein Oszillogramm der Gitterspannung im regulären periodischen Betrieb. Die Frequenz beträgt etwa 800 Hz.

Periodenverdopplung: aufein­ander­folgende Wellen­züge verlaufen unter­schied­lich. Das zeigt sich auch im Spektrum, das mein Digital­oszi dank seiner FFT-Funktion eben­falls anzeigen kann. Im Spektrum des Oszil­lators erscheint bei halber Grund­frequenz eine weitere Spektral­linie.

Mein Versuchs­aufbau. Der große schwarze Schiebe­wider­stand (ein Rheostat aus einem aufge­lösten Physik­labor) dient zur Fein­einstel­lung der Verstär­kung.

Periodische und chaotische Schwingungen

Der Oszillator schwingt oder er schwingt nicht. Das behauptet zumindest die land­läufige Bastler-Erfahrung. Doch das ist nicht alles. Ein solcher Oszil­lator kann noch viel mehr, nämlich völlig irre­gulär und chao­tisch werden. Dies passiert, sobald man den Verstär­kungs­faktor der Röhre über eine kritische Grenze hinaus erhöht. Es deutet sich in kleinen Schrit­ten an, nämlich durch eine Folge von Peri­odenver­dopplungen (siehe Abb. links). Wenn man den Wider­stand im Kathoden­strom­kreis, der aus den beiden Poten­tio­metern besteht, langsam kleiner macht, dann scheint es am Oszil­loskop, dass die einzelnen Schwingungs­züge plötzlich zu tanzen anfangen. Sie liegen abwech­selnd etwas höher oder tiefer. Die Periode des Oszil­lators hat sich verdoppelt. Dreht man das Poti noch weiter, dann folgt eine Vervier­fachung und so weiter. Ab einem bestimmten Punkt werden die Schwingungen voll­kommen chao­tisch: jeder einzelne Wellen­zug verläuft anders. Es wird unmöglich vorher­zusagen, nach wievie­len Perioden sich das Signal wieder­holt.

Trägt man im XY-Modus den Schwing­kreis­strom IL gegen die Gitterspannung UG auf, dann zeichnet das Oszil­loskop den Attraktor. Dieser beschreibt den Betriebs­zustand eindeutig.

Der periodische Attraktor: Zeichnet man im x/y-Modus den Schwing­kreis­strom IL gegen die Gitter­spannung UG auf, dann zeigt das Oszi einen leicht defor­mierten Kreis, der peri­odisch durch­laufen wird.

Perioden­verdopplung: hier schließt der Attraktor erst nach zwei Zyklen.

4-fach-Zyklus

Nach zwei Perioden­verdopplungen zeigt der Attraktor vier Schleifen.

Chaotische Schwingungen: der Strom- und Spannungs­verlauf IL als Funktion von UG wiederholt sich erst nach unendlich vielen Zyklen, also nie!

Die Ursache des nicht­linearen Verhal­tens

Ursache ist die nicht­lineare Gitter­strom­kenn­linie der Röhre. Der Gitter­strom steigt als Funktion der Gitter-Kathoden­spannung Ugk exponen­tiell an:

Hierbei sind:

  • I0 der Gitter­ruhe­strom, wenn Steuer­gitter und Kathode mitei­nander kurzge­schlossen sind
  • e ist die Elementar­ladung der Elek­tronen (1.602 10-19 As)
  • kB die Boltz­mann-Konstante (1.381 10-23 J/K)
  • T die absolute Kathoden­temperatur in Kelvin (hier etwa 1000 K).

Die Gleichung besagt, dass der Gitter­strom während der positiven Halb­welle einen Schwingung wächst. Dadurch baut sich eine zusätz­liche negative Gleich­spannung am Steuer­gitter auf. Das hat dann zur Folge, dass die Steil­heit der Röhre kleiner wird und die Schwingungs­amplitude des Oszil­lators in einer bestimmten Höhe sättigt. Dabei aber bleibt es nicht. Ab einem bestimmten Punkt ändert das gesamte rückge­koppelte System sein Verhalten: neben Viel­fachen der Grund­frequenz erscheinen auch halbe, viertel, und rationale Bruch­teile der Grund­frequenz, schließlich ein konti­nuier­liches Spektrum. Dies passiert in einem recht engen Para­meter­bereich.

Die nicht­lineare Schwing­ungs­gleichung

Mit ein wenig Praxis in den Kirchoff­schen Regeln läßt sich die Diffe­rential­gleichung her­leiten, die das Verhal­ten des Oszil­lators beschreibt. Das folgende gekoppelte Gleichungs­system beschreibt den Strom IL durch die Schwing­kreis­spule sowie die Gitter­spannung UG der Röhre als Funktion der Zeit t, genaue jene Größen, die wir am Oszi auf­zeich­nen:

Schwingungs-Gleichungen
Lesen Sie näheres hier nach.

4-fach-Zyklus, FFT-Plot

Das Fourier­spektrum nach zwei Verdopp­lungen. Neben der Grundf­requenz (Mitte, bei f0 = 3,1 kHz) zeigt das Spektrum Linien bei halb­zahligen Frequenzen (1/2 f0 = 1,55 kHz und 3/2 f0 = 4,65 kHz) sowie schwächere Linien mit viertel­zahligen Frequenzen bei 1/4, 3/4, 5/4 und 7/4 f0: 775, 2.325, 3.875 und 5.425 Hz.

Ein paar praktische Tips zu der Schaltung:

1. Wenn der Oszil­lator zu "pumpen" beginnt: Die Schwing­ungen reißen ab und setzen neu ein. Das Oszil­logramm ist unruhig, doch das hat mit Chaos und Periode­nverviel­fachung nichts zu tun. Das Pumpen entsteht, wenn sich der Konden­sator vor dem Steuer­gitter durch den Gitter­strom zu sehr auflädt. Die Röhre blockiert. Die Schwingungen setzen erst dann wieder ein, wenn die Ladung durch den Gitter­vorwider­stand wieder abgeflossen ist, bis zum nächsten Blockieren. Und so weiter. Wie wenn im Spül­becken der Abfluss verstopft ist. Abhilfe: Abfluss wieder frei machen, bzw. den Gitter­wider­stand (47 kΩ) etwas verklei­nern.
3. Eine stabili­sierte Spannungs­versor­gung ist für dieses Experi­ment sehr hilfreich. Ich verwende deshalb dieses Netzgerät.

2. Habe auch die Röhren­typen EF 183 und EF 184 getestet, zumal diese mit der EF 89 nahezu iden­tische Anschluss­bele­gungen haben. Diese Röhren haben aber eine höhere Steil­heit als die EF 89 und benö­tigen einen anderen Arbeits­punkt. Ich habe den Kathoden­wider­stand auf 1,5 bis 1,8 Kiloohm und den Schirm­gitter­wider­stand auf 500 Kiloohm vergrößert. Der Anoden­strom ist dann etwa 0,9 mA bei 120 V Betriebs­spannung. Bei diesen Spann­gitter­röhren entstanden z.T. jedoch intensive, sehr hochfre­quente Bark­hausen-Oszil­lationen, die die eigent­lichen Tonfre­quenzen über­lagerten. Hier hat der Bastler noch Forschungs­bedarf. Die EF 89 hat eine deutlich geringere Tendenz zu solchen Schwingungen, auch wenn sie ab und zu da sind. Siehe Video.
4. Trioden statt Pentoden eignen sich zu diesem Experi­ment ebenfalls. Ich habe Pentoden wegen ihres hohen Ausgangs­wider­stand bevorzugt, weil dies die Abschät­zung der Schwing­kreis­dämpfung stark verein­facht.


Natürlich lassen sich chao­tische Phänomene auch mit Halb­leiter-Oszil­latoren demon­strieren. Ein schönes, leicht nachzu­bauendes Beispiel zeigt die Schaltung links im Bild, die eine litauische Forscher­gruppe vor einigen Jahren in einer Zeit­schrift vorge­stellt hat: zum Download.

10.9.16: Weitere Experimente mit dem chaotischen Oszillator: Messung der Feigenbaum-Konstanten
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Nach den ersten qualita­tiven Versuchen zu Perioden­ver­dopplung und Chaos wollte ich dann mehr über das Thema wissen, das weitaus tiefere Bedeutung hat, als man zunächst vermuten würde. Man hat sehr überzeu­gende Hinweise darauf entdeckt, dass der Übergang von regulärem Verhalten ins Chaos auch in sehr unter­schied­lichen dyna­mischen Systemen unter vergleich­baren Vorzeichen abläuft wie in unserem Oszil­lator. Das Verhalten eines gekoppel­ten mecha­nischen Pendels wie etwa diesem hier. Aber auch Strömungs­instabi­litäten in Wasser- und Gas­turbinen, die Entwick­lung von Popula­tionen von Raub- und Beute­tieren in der freien Wild­bahn, neuro­nale Erregungs­muster im mensch­lichen Gehirn oder Nerven­gewebe, die Migräne, Herz­rhytmus­störungen oder epilep­tische Zustände auslösen können, scheinen ähn­lichen Prinzi­pien zu folgen.

Ein wichtiges Maß hierbei ist der Abstand der einzelnen Parameter­werte, an denen eine weitere Perioden­verdopp­lung eintritt. Man bezeich­net diese als Bifur­kationen. Dieser Abstand bezieht sich auf die kritischen Werte des Kontroll­para­meters ε, den wir an unserem Oszillator ja leicht über die beiden Potis P1 und P2 einstellen können. Der Abstand zwischen zwei aufei­nander­folgen­den Bifur­kationen wird mit deren Anzahl, die der Oszil­lator auf seinem Weg ins Chaos durch­schritten hat, immer kleiner, und zwar offenbar nach einem Exponen­tial­gesetz. Den Faktor der Verkür­zung dieses Abstandes bezeichnet man als Feigen­baum-Kon­stante, eine Zahl, die in verschie­densten Systemen immer gleich zu sein scheint.

Den Oszil­lator habe ich diesmal mit größter Sorgfalt aufgebaut, wobei ich alle Bauele­mente mecha­nisch mit Klebe­band fixiert und für alle Betriebs­span­nungen einschließ­lich der Röhren­heizung stabili­sierte Span­nungen verwendet habe. Der Grund ist folgender: zur Bestim­mung der Feigen­baum-Kon­stante muss der Oszil­lator mindestens 3 klar unter­schei­dbare Bifurka­tionen durch­laufen. Das erfordert eine reprodu­zierbare Einstell­barkeit über zwei bis drei Größen­ordnungen bei den Potis wie auch der Röhren­verstär­kung. Stör­faktoren und Spannungs­schwan­kungen müssen deshalb so weit wie möglich ausge­schlossen werden. Der Versuchs­aufbau wurde mindes­tens 1 Stunde vor der Messung in Betrieb genommen, um eine mögliche thermi­sche Drift während der Messung auszu­schließen.

Neben dem schon bewährten Schiebe­wider­stand P2, der auf das Ohm genau einstell­bar ist, habe ich für die Grob­einstung P1 ein 10-gängiges Präzi­sions-Spindel­potentio­meter von 20 kΩ mit einem 100-teiligen Skalen­rad verwendet. Die Wider­stands­änderungen beträgt also 20 Ohm pro Teilung. Reprodu­zierbares Ein­stellen mit einer rela­tiven Genauig­keit von etwa 10 Ohm sind dadurch möglich. Mit dieser Anord­nung konnte ich Bifurka­tionen bis zur 3. Ordnung identi­fizieren. Der Abstand zwischen zwei Bifurka­tionen liegt hier bei unter 1 Ohm.

Gemessene Abstände zwischen den Bifurka­tionen

Ordnung der Bifur­kation

ΔR (Ohm)

Abstand vom Chaos-Übergang (Ohm)

Parameter­abstand Δε vom Über­gang zum Chaos

1

41,6 +/- 1,44

50,6 +/- 2,4

0,146

2

4,7 +/- 0,36

9,0 +/- 1,0

0,026

3

0,78 +/- 0,22

4,3 +/- 0,7

0,012

4

---

3,52 +/- 0,5

0,010

chaotisch

3,52 +/- 0,5

---

0

Die Betriebs­spannung des Oszil­lators habe ich auf 150 V einge­stellt, die Heiz­spannung war 6,43 Volt. Die gesuchten Bifurka­tionen habe ich mittels Digital­oszi (Tektronix TDS 220) im FFT-Spektral­modus identi­fiziert. An den betref­fenden Poti-Einstel­lungen sieht man, dass im Spektrum des Oszil­lators neue Linien bei halb-, viertel-, achtel­zahligen Viel­fachen der Grund­frequenz aus dem Grund­rauschen zu wachsen beginnen. Die entspre­chenden Poti­einstel­lungen habe ich in die obige Tabelle einge­tragen. Es handelt sich um Mittel­werte von jeweils fünf unab­hängigen Messungen.

Links im Bild habe ich das Ergebnis der Mess­reihe noch einmal grafisch zusammen­gestellt, wobei ich auch jeweils die Spektren vom Oszil­loskop abfoto­grafiert habe (einge­fügte Bilder oben). Die zentrale Linie stellt die Grund­frequenz des Oszil­lators von 660 Hz dar (bei 100 Hz pro Teilung des Oszi-Bild­schirms) Mit zunehmder Zahl der Bifurka­tionen entstehen zusätz­liche weitere Linien (von rechts nach links), bis das Spektrum im chao­tischen Bereich schieß­lich voll­kommen "dicht" ist. Die Bifurka­tionen von vierter Ordnung waren nicht mehr eindeutig zu identi­fizieren, so dass die Mess­reihe hier abge­brochen wurde.

Ergebnis

Der Versuch veranschau­licht klar den Übergang von regulärer zu chao­tischer Dynamik als eine Sequenz von Perioden­verdopp­lungen, die bei stetig sich ändern­dem Kontroll­parameter immer dichter aufein­ander folgen. Wertet man nun die Verhält­nisse zwischen den Abstän­den zweier Bifuka­tionen aus, dann zeigen sich jedoch Abwei­chungen vom angenom­menen Exponential­gesetz: Aus den ersten beiden Bifurka­tionen ergibt sich ΔR1/ΔR2 = 8,85. Dieser Wert ist zwar in der korrek­ten Größen­ordnung, doch von der Feigen­baum-Konstan­ten δ = 4,66920 noch um einiges entfernt. Aller­dings ist dieser Wert ein Grenz­wert, dem sich das Wider­stands­verhält­nis erst nach vielen Bifurka­tionen nähert. Aus der zweiten und dritten Bifur­kation ergibt sich ΔR2/ΔR3 dagegen 6,03, was immerhin schon etwas besser ist.

Literatur und weitere Informa­tionen zum Thema:

R. W. Leven, B. P. Koch, B. Pompe, Chaos in dissi­pativen Systemen, Akademie-Verlag Berlin 1989, ISBN 3-05-500488-4

V. Nordmeier, H.-J. Schlichting, Chaos für die Schule! Phys. Unserer Zeit, 2003, Nr. 1, S. 32

Die Original­arbeit, in der die Feigen­baum-Konstante begründet wird:
M. J. Feigen­baum, The universal metric proper­ties of nonlinear transfor­mations, J. Stat. Physics, 21, 669 (1979)

Aus der Physik-am-Samstag-Website von S. Lück mit vielen Experi­menten: Die Erfor­schung des Chaos.

22.9.16: Wir simu­lieren den chao­tischen Oszil­lator nummerisch

Eine Diffe­rential­glei­chungen für den Oszil­lator ist ja ganz nett. Da sie zu kompli­ziert ist, dass man sie mit den übli­chen Methoden von Hand lösen kann, habe ich es mit Simu­lation versucht. Der PC erledigt dann die Arbeit auf numme­rischem Wege. Dazu empfiehlt es sich, die Glei­chungen in ein System von Diffe­rential­gleichungen erster Ordnung umzu­formen. Das Resultat ist rechts gezeigt. Ich habe dazu dimensions­lose Variablen x, y und z. Die Variable x ist bis auf Vor­faktoren der Schwing­kreis­strom IL, y die Zeit­ableitung des Stroms und z die Span­nung UG am Steuer­gitter.

Zum Rechnen habe ich die Euler Math Toolbox verwendet, die man sich hier kostenlos herunter­laden und instal­lieren kann. Ich habe dafür ein entspre­chendes Skript geschrieben (Box rechts unten), das die Gleichung mit dem Runge-Kutta-Verfahren über einen Zeit­raum von 20 Schwingungs­perioden inte­griert: τ geht von 0 bis 125.6 (das sind 40 π). Ferner ist

γ = 1.3 V-1 x 300 mV = 0.4.

Der Kernbe­stand­teil ist der drei­kompo­nentige Vektor [x,y,z]. Seine Zeitab­leitung ist laut Diffe­rential­gleichung eine Funktion des Vektors:

[dx/dt,dy/dt,dz/dt] = osc[t,x,y,z]

Die Euler-Funktion "runge" integriert nun in kleinen Zeitschritten von 0.002 Zeiteinheiten den Lösungsvektor, beginnend mit den Anfangs­bedingungen x = 0.1, y = 0, z = 0 bei τ = 0. Nicht sehr kompli­ziert! Die Spannung am Steuer­gitter habe ich unten für verschie­dene Werte von ε geplottet.

Euler-Skripte sind (sofern man den entspre­chenden Modus aktiviert) mit der Mathe­matik-Software MATLAB weit­gehend kompa­tibel.

Flussgleichungen
mit
Definitionen x,y,z
und
Definitionen p, q, gamma

.. Chaotischer Oszillator
.. H. M. Sauer, 15.9.2016
..
.. Elektrische Konstanten der Schaltung:
q:=0.1;
p:=2;
Tg:=5;
.. Dämpfungsparameter, nach Bedarf aendern:
eps:=-1.28;
.. Korrekturfaktor gamma der Röhrensteilheit:
gam:=0.4;
.. Skalierte Zeitachse:
t:=0:0.002:125.6;
.. Ab hier geht es los: zuerst Grafikfenster leeren ..
clg;
.. Das Gleichungssystem definieren:
.. hierbei ist x=g[1], y=g[2], z=g[3];
function osc(t,g):=[-g[2], (1+q)*g[1] - eps*(1+gam*g[3])*g[2] + p*exp(g[3]) + g[3]/Tg, -q*g[1] - p*exp(g[3]) - g[3]/Tg ];
.. Runge-Kutta-Solver aufrufen, um g[] zu berechnen,
.. Anfangswerte bei t=0: x=0.1, y=0, z=0 (ist beliebig,
.. aber nicht alle zugleich zu 0 setzen);
g=runge("osc",t,[0.1,0,0]);
.. x(t) bzw. g[1] im Grafikfenster gegen t plotten;
plot2d(t,g[1]);
.. Fertig !

reguläre Schwinguung
1. Für ε = −1.0 gerät der Oszil­lator nach der An­schwing­phase, die etwa 3 bis 4 Perio­den dauert, in regu­läre Schwing­ungen.

Periodenverdopplung
2. Eniedrigt man ε unter den Schwell­wert von −1.28, dann zeigt sich die erwar­tete Perioden­verdopp­lung. Hier das Schwingungs­bild bei −1.50, wo die Verdopp­lung schon weit ent­wickelt ist.

Periodenvervierfachung
3. Unterhalb der weiteren Schwelle von ε = −1.598 habe ich nach der Anschwing­phase die Ver­viel­fachung der Schwing­ungs­periode beo­bachtet. Der gezeigte Plot wurde bei −1.66 berechnet.

chaotische Schwingungen
4. Eine Veracht­fachung ergab sich dann bei ε-Werten unter −1.658. Bei etwa −1.70 wurden die Schwing­ungen dann chao­tisch. Das obige Dia­gramm wurde mit ε = −2.1 berechnet.

Schlussfolgerung:

Ich habe natür­lich auch versucht, die Bifurka­tions­punkte aufzu­suchen und die Feigen­baum-Kon­stante aus der Simu­lation zu bestimmen. Die Werte, die ich für die verschie­denen Kon­stanten ange­nommen habe, sind im oben gezeig­ten Euler-Skript einge­tragen. An Hand der ε-Werte der ersten drei Bifurka­tionen habe ich damit einen Schätz­wert δ1 = 5,3 für die Feigen­baum-Kon­stante erhalten. Die Ergeb­nisse zeigen, dass unsere Analyse des Oszil­lators zumindest quali­tativ korrekt ist und die wesent­lichen Merkmale des Über­gangs vom regulären in den chao­tischen Betriebs­zustand erfasst.

18.9.2019: Weitere Schaltungen - Chaoti­scher Oszil­lator mit Batterie­röhre DF67

DF67 DF67 im Detail DF67 mit Sockel

Lassen sich die Perioden­verdopp­lungen und die chao­tischen Schwing­ungen auch bei niedriger Betriebs­spannung und mit Batterie­röhren demon­strieren, wurde ich neulich gefragt? Im Prinzip geht das selbst­verständ­lich. Dann habe ich mich aber doch an den Bastel­tisch gesetzt, weil ich wusste, dass ich seit Jahren eine Miniatur-Pentode DF67 in der Bastel­kiste hatte.

DIe DF 67 ist eine winzige Stift­röhre, die über ihre dünnen Draht­bein­chen ange­schlos­sen wird. Sie wurde für den Mikrofon­verstärker in Hörge­räten konzi­piert, und der maximal zulässige Kathoden­strom. liegt bei nur 75 µA. Bisher hatte ich dafür noch keine rechte Verwen­dung gefunden. Dafür sind Heiz­spannung (0,625 V) und Heiz­strom (13 mA) äußerst beschei­den. Ein Hörgerät muss mit der Batterie schließ­lich viele Stunden lang aus­kommen.

Die Steil­heit der DF 67 wird im Daten­blatt mit 0,1 mA/V angegeben. Wenig im Vergleich zur EF 89, die 4 mA/V bringt. Ob das reicht ? Man braucht ja für die Perioden­verdopp­lung eine gewisse Mindest­verstär­kung. Um es kurz zu machen: ich war von dem kleinen Röhr­chen begeistert! Sofort hatte ich Schwingungen, und, kaum dass die Betriebs­spannung 15 Volt erreichte, gab es die erste Perioden­verdopp­lung. Die Oszil­lator­schaltung ist wirklich sehr sehr simpel.

Hier die Schaltung und der Aufbau auf dem Steckbrett.

Schaltplan

Zur leichten Montage und zur Entlas­tung der fili­granen Anschluss­drähte habe ich die Röhre sowie eine entspre­chende fünfpolige Stift­leiste im 2,54-mm-Raster­maß auf eine Lochraster­platte gelötet. Um die Heiz­spannung von 0,625 V stets genau einstellen zu können, habe ich parallel zum Heiz­faden eine Silizium­diode (1N4007) einge­lötet. Diese besitzt in Durch­gangs­richtung eine stabile Schwellen­spannung von 0,6 bis 0,7 V: genau richtig für den Heiz­faden der Röhre. Zum Heizen klemme ich den mit der Diode gesicher­ten Heizf­aden über einen Wider­stand von 470 Ohm an eine Batterie oder an ein Gleich­spannungs-Netzteil von 6 bis 10 Volt.

Steckbrett-Aufbau

Der kleine Rück­kopplungs­trafo mit der aufgedruck­ten Nummer RB-20113 ist ein Tonfrequenz­über­trager aus einem japa­nischen Transistor­radio der 1970er Jahre, dessen Fragmente ich ebenfalls in meiner Bastel­kiste archiviert hatte. Toshiba oder Sanyo. Solche Teile, auch die Germa­nium­transis­toren und Ferrit­antennen, sollte man niemals weg­werfen, denn sie werden heute kaum mehr herge­stellt und sind für den Elektronik­bastler Gold wert. Damals ein Pfennigs­artikel aus Massen­produktion, heute nur als horrend teure Spezial­anfer­tigung zu bekommen. Das Windungs­verhält­nis des kaum 2 cm großen Trafos zwischen Anoden- und Gitter­spule ist 2:1. Zur Schaltung selbst muss ich, glaube ich, nichts mehr sagen.

Wenn man die Heiz­spannung anlegt und die Betriebs­spannung (aus dem Netz­gerät) langsam von Null hoch­dreht, dann setzen bei mir die Schwingungen bei ungefähr 10 Volt ein. Die Frequenz liegt bei 15 kHz. Im Bereich zwischen 14 und 15 Volt zeigen sich dann die gewünschten chao­tischen Effekte. Dreht man die Spannung noch höher, dann arbeitet der Oszil­lator als einfacher Sperr­schwinger, ohne chaos­technisch interes­sante Effekte.

Verdoppelte Periode Dieser Attraktor (Gitter­strom vs. Anoden­spannung im XY-Modus des Oszis) zeigt die erste Perioden­verdopp­lung, bei 14,74 Volt. Bei 14,99 Volt tratt die Ver­vier­fachung auf, bei 15,14 V die Ver­acht­fachung.
Verdreifachte Periode Auch eine Ver­drei­fachung konnte ich erreichen. Wie geht das denn? Im Spannungs­bereich, wo die Schwing­ungen schon chao­tisch sind, fand ich eine "Insel der Regu­larität" mit diesem interes­santen Phänomen. Die war aber sehr schmal, und es bedurfte echtes Finger­spitzen­gefühl am Spannungs­regler.
Chaotische Schwingungen Und zum Schluss ein chao­tischer Attrak­tor.

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26.1.2020: Chao­tischer Oszill­ator: mit dem Transistor klappt es auch

Es wäre natürlich unlogisch gewesen zu vermuten, dass ich diese Frage nicht irgend­wann unter­suchen würde. Die klare Antwort: es geht! Doch das war ein langes Stück Arbeit, länger als erwartet. Zuerst hatte ich versucht, mit einem Sili­zium-Tran­sistor einen chao­tisch arbei­tenden Meißner-Oszil­lator aufzu­bauen. Dabei kamen absolut funktions­tüchtige Oszil­latoren heraus. Das hatte ich nicht anders erwar­tet. Solche für sinus­förmige, harmo­nische Schwing­ungen, andere arbei­teten hervor­ragend als Sperr­schwinger und erzeug­ten am Oszil­loskop scharfe Impuls­spitzen. Doch eine Perioden­verdopp­lung? Ein chao­tischer Übergang? Fehl­anzeige. Ich biss auf Granit, besser gesagt, auf Sili­zium, das noch viel härter ist.

Genau das aber war die entschei­dende Erkennt­nis: Die Emitter-Basis-Diode eines Sili­zium-Transis­tors hat wie die Gitter-Basis-Kenn­line einer Röhre einen nicht­linearen Bereich. Das ist für das chao­tische Verhal­ten, wie wir wissen, essen­tiell. Doch ist dieser Bereich bei Sili­zium-Elemen­ten sehr viel schmaler als bei Röhren. Das Problem liegt nicht bei den Transis­toren an sich, sondern darin, dass ich die Betriebs­beding­ungen mit meinen ein­fachen Mitteln nicht genau genug einstel­len kann.

Die Lösung des Problems waren Transis­toren mit Germa­nium als Halb­leiter, wie sie ab 1960 herge­stellt wurden. Die Basis-Emitter-Kenn­linie hat zwar auch hier schon einen deut­lich kanti­geren Knick als bei Röhren, doch sehen die Strom-Span­nungs-Kenn­linien noch immer deut­lich runder aus als bei Sili­zium. Viel­leicht liegt es auch einfach an den hohen Exemplar­streu­ungen inner­halb der frühen Tran­sistor-Typen­reihen, wofür Germa­nium-Halb­leiter ja berüch­tigt waren.

Ge-Transistoren Ge-Transistoren Transistor und Trafo

Von links nach rechts: Germa­nium-Transis­toren der 1960- und 70er Jahren von den damals führen­den Marken der Elek­tronik­indus­trie: 2SB54 und 56 sind NF-Typen von Toshiba aus der ersten Gene­ration von Transis­toren, die am Ende der Röhren­ära reich­lich in den sprich­wört­lichen Billig­radios und -kaset­tenrekor­dern aus Japan verwendet wurden. 2SB172, 173 und 175 stammen aus den Werken von Matu­shita und dientem dem gleichen Zweck. Mitte: Komple­mentäre Ge-Tran­sistoren AC187 und 188 von Siemens für die trans­forma­torlose Verstär­kerend­stufe. Daneben einTF 78/30 von Tele­funken. Rechts: Ein OX7004 der Nürn­berger Firma MIRA Elek­tronik, die ihre Radios mit Transis­toren einer eigenen Serie ausstat­tete. Herge­stellt wurden diese Transis­toren bei TeKaDe, damals eben­falls in Nürn­berg ansässig. Mehr dazu können Sie hier lesen . Im selben Bild daneben ein Minia­tur-Ausgangs­über­trager aus damaliger japa­nischer Produk­tion mit kaum mehr als 1 cm Kanten­länge.

Hier die Schaltung und der Aufbau auf dem Steckbrett.

Schaltplan Steckbrett

Der Oszillator arbeitet nach dem Meißner-Prin­zip und besitzt auf den ersten Blick keine Beson­derheit. Jedoch habe ich als Trans­formator einen solchen mit hohem Überset­zungs­verhält­nis gewählt. Die Span­nung aus dem Kollektor­kreis wird im Verhält­nis 20:1 für den Basis­kreis herab­gesetzt. Entspre­chend höher ist auch der Strom, der für die Emitter-Basis-Diode zur Verfü­gung steht. Beim Röhren­oszil­lator war dieser Aspekt neben­sächlich. Beim Bipolar­transis­tor ist der Eingangs­wider­stand viel kleiner, und damit ist der Strom wichtig.

Zur Auswahl eines geeigneten Transis­tors kann ich nur wenig sagen. Ich selbst erziel­te mit einem 2SB56 von Toshiba und mit einem OX 7004 von Mira die besten Resul­tate, aber die sind aus dem ganz zufäl­ligen Inhalt meiner Bastel­kiste. Äquiva­lente Typen wie AC122 oder 126 sind gewiss aussichts­reiche Kandi­daten. Aber es funk­tionier­te nicht mit allen Ge-Tran­sistoren, auch nicht mit einem uralten OC75 von Tele­funken, der noch im schwarz­lackier­ten röhren­ähnlichen Glas­kolben daherkam. Er verhielt sich in diesem Punkt als hätte er das Sili­zium höchst­persön­lich erfunden.

Die Frequenz des Oszil­lators hängt natür­lich in erster Linie von der Induk­tivität der Trafo­wicklung ab und lag bei 15 kHz. Die verschie­denen Schwingung­sarten und Perioden­verdopp­lungen werden durch Verän­derung der Betriebs­spannung einge­stellt. Das muss man auspro­bieren, wobei ein sehr fein einstell­barer Span­nungs­regler unbe­dingt zu empfeh­len ist. Bei mir ereig­nete sich der Über­gang zum chao­tischen Verhal­ten im Bereich zwischen −5,40 und −5,57 V. Es lohnt also, die Betriebs­span­nung im betref­fenden Bereich mit einem Digital­multi­meter auf 10 mV genau zu bestimmen, um alles genau und repro­duzier­bar nachver­folgen zu können.

Dafür konnte ich in den Versu­chen mit dem 2SB56 gleich zwei aufei­nander­folgenden Bifur­kationen beo­bachten und sauber unter­suchen. Bei Röhren, siehe oben, ging das mit einer Sequenz von drei Bifur­kationen.

Bifurkationsdiagramm

Dieses Diagramm habe ich erzeugt, indem ich mir den Attrak­tor der Oszil­lator­schwing­ungen am Oszi im X-Y-Modus angesehen habe. Diesen habe ich in der Bild­mitte zen­triert und dann die Spannungs­werte an den Schnitt­punkten mit der posi­tiven Y-Achse des Koor­dinaten­kreuzes auf dem Bild­schirm notiert. Dann habe ich die Betriebs­spannung von −5.35 Volt (da waren der Attrak­tor ein einfacher Ring) in 10-mV-Schritten bis knapp −5.6 V (da war es chao­tisch) erhöht und die Werte immer wieder notiert (Kreis­symbole). Je nach Anzahl der Bifurka­tionen gibt es dann 2 oder 4 Schnitt­punkte. Dann habe ich das gleiche in umge­kehrte Richtung wieder­holt, bis die Schwing­ungen wieder regulär waren (Dreiecks­symbole). Man sieht übrigens, das die beiden Mess­reihen nicht genau aufei­nander liegen. Es gibt hier also eine gewisse Hyste­rese der Schwing­ungs­bereiche.

Vervierfachte Periode Kollektor­spannung und Span­nung am Konden­sator im Basis­kreis nach zwei Bifur­kationen.

XY-Plot

Im X-Y-Modus des Oszil­loskops ergibt sich diese Figur. Es schaut schon anders aus als beim Röhren­oszil­lator, aber er Verviel­fachung der Zyklen ist auch hier unver­kennbar.

Chaotische Schwingungen

Im X-Y-Modus erzeugt der chao­tische Zustand sogar ästhe­tische Formen.

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9.4.2021: PC 900 - wie eine steile VHF-Triode Chaos macht

Aufbau und Schaltung des Oszil­lators

Aufbau mit PC900

Eine ultrasteile Triode PC900 aus einem TV-Tuner produ­ziert beson­ders gut repro­duzier­bare Perioden­verdopp­lungen und chao­tische Schwing­ungen. Mit PC86 und 88 funktio­niert es ebenfalls.

Schaltplan

Die Schaltung unter­scheidet sich prak­tisch nicht von derje­nigen ganz oben. Der Arbeits­punkt wird mittels eines Präzisions­potis auf 10 mV genau über die posi­tive Gitter­vorspan­nung Ug0 einge­stellt. Die Betriebs­spanung von hier 136.2 V wurde mittels Digital­multi­meter auf das zehntel Volt genau konstant gehalten. Um Klystron-Oszil­lationen mit Fre­quenzen im UKW-Be­reich zu unter­drücken, die bei solchen sehr steilen Trioden gern ent­stehen, musste ich über ganz kurze Anschluss­drähte einen HF-taug­lichen 470-pF-Konden­sator direkt zwi­schen Gitter und Ka­thode schalten.

Attraktor

Der Attraktor nach der ersten Perio­denver­dopplung zeigt den Strom im Gitter­kreis als Funk­tion der Anoden­spannung UA.

Die Abfolge der Periodenverdopplungen

Mit dieser Schaltung konnte ich eine Folge von vier Perio­denver­dopp­lungen herbei­führen. Rekord! Der chao­tische Über­gang lag als Funk­tion der Gitter­vorspan­nung Ug0 bei Ukr = 13.48 V. Die Verdopp­lungen traten bei Span­nungen auf, die um 1.01, 0.46, 0.20 und 0.06 V darüber lagen.

Bifurkationsdiagramm

Dieses Diagramm zeigt die Ampli­tude der Schwing­ungs­kompo­neten mit halb,- viertel-, achtel- und sech­zehntel­zahligen Viel­fachen der Grund­frequenz fg = 572 Hz als Funk­tion der posi­tiven Gitter­vorspan­nung (abzüg­lich Ukr) auf der loga­rith­mische Skala dar. Die roten Mess­punkt zeigen die Ampli­tude der Grund­schwingung, die bei etwa 17 dB (mit 0 dB = 1 V) liegt. Grün ist die Ampli­tude der Schwing­ung mit der Fre­quenz 3/2 fg, die bei 1.01 V über der Mess­schwelle von -30 dB tritt. Die dunkel­blauen Quad­rate, violet­ten Kreise und türkis­blauen Scheiben entspre­chen den Frequenz­anteilen von 5/4, 11/8 bzw. 23/16 der Grund­frequenz. Sie besitzen unter den neu hinzu­kommenden Fre­quenzen die jeweils höchsten Ampli­tuden und befanden sich im Spek­trum immer direkt unter­halb der Frequenz­kompo­nente 3/2 fg aus der ersten Perio­denver­dopplung. Das ist etwas anders als in der Pen­toden­schaltung, wo eher die Frequenz­kompo­nenten unter­halb der Grund­frequenz domi­nant sind.
Man sieht sehr schön, dass die Perio­denver­dopp­lungen auf der loga­rith­mischen Achse nahezu gleich­abständig sind. Die Verhält­nisse der Spannungs­diffe­renzen aufei­nanderfol­gender Perio­denver­dopplungen stehen also in nahezu konstan­tem Ver­hältnis. Die Schätzung für die Feigen­baum-Kon­stante, die sich aus diesem Versuch ergibt, ist also unge­fähr 2.33, deut­lich nied­riger als der Theorie­wert von 4.67.

FFT-Spektrum

Hier ein Schnapp­schuss vom Oszil­loskop, der das Spek­trum im FFT-Modus zeigt. Mitten­frequenz ist 572 Hz, die Teilung der Frequenz­achse ist 100 Hz/cm. Die verti­kale Achse hat eine Teilung von 10 dB/cm. Ein paar tech­nische Details: ich habe die Flat­top-Fenster­funktion des FFT-Moduls verwendet. Zur bes­seren Stabi­lität des Oszil­logramms habe ich "Aquire" auf 16-fach-Samp­ling einge­stellt.

Zurück zum Anfang Hans Martin Sauer 2016-2021